Einladung zur Jagd - und noch nicht 'kundig'?

"Bitte vergessen Sie nicht, Ihrer Anmeldung zur Jagd den Nachweis als 'kundige Person' beizufügen!" "Bitte versorgen Sie Ihr Wild unter Berücksichtigung der Hygienevorschriften!" - solche und ähnliche Aufforderungen finden sich immer öfter in den Jagdeinladungen staatlicher und privater Forstverwaltungen.


Kein Wunder - denn wo größere Strecken anfallen, muss sich der Jagdleiter zwangsläufig auch des Wildgroßhandels bedienen. Und der muss nach neuem Recht zu jedem erlegten Stück vom Verkäufer die Beigabe der 'Eingeweide ohne Mägen und Gedärme, Köpfe ohne Hauer und Geweihe' [VO (EG) 853/2004 und § 13 Tier-LMHV] verlangen. Oder aber die so genannte 'schriftliche Unbedenklichkeitsbescheinigung' einer 'kundigen Person' für die Verwertbarkeit jedes einzelnen Wildkörpers als Lebensmittel.


Probleme für den Jagdleiter

Nur verständlich, dass der verantwortliche Jagdleiter Probleme damit hat, sich mit seiner Unterschrift dafür bei der gesamten Strecke zu verbürgen! Denn wie will er bei den Stücken, die er gar nicht selbst erlegt hat, beurkunden, dass 'keine Störungen des Allgemeinbefindens oder auffällige Verhaltensweisen' festzustellen waren? Oder an den Organen keine anderen 'bedenklichen Merkmale' vorlagen, die eine amtstierärztliche Fleischuntersuchung' zwingend machen - zumal er ja nicht jedes Stück selbst versorgt und untersucht hat, und der Aufbruch im Busch zurückgeblieben ist! Er muss sich also auf das Zeugnis seiner Schützen und deren Urteilskompetenz verlassen - und daher voraussetzen, dass alle Erleger auch die Qualifikation zur 'kundigen Person' haben, um eine solche Unbedenklichkeit auch bescheinigen zu können. Dass er sich da rechtlich absichern muss, ist verständlich - und seitens seiner Jagdgäste nicht mehr als eine Frage der Fairness! Nur fair ist es da auch, dass nun auch Wildgatterbetreiber 'kundige Person' werden können. Das bringt Wildhaltern Vorteile, denn dann müssen sie nicht mehr in jedem Falle den Amtsveterinär vor und nach dem Töten eines Tieres hinzuziehen. Das spart Kosten und bringt erhebliche Erleichterungen!

 

Empfehlungen der Jagdverbände

Daher haben auch die Landesjagdverbände jedem Jäger - ungeachtet seiner jagdlichen Erfahrungen - dringend geraten, sich zur 'kundigen Person' qualifizieren zu lassen. Die nächsten 'Bockjagdtage' und Drückjagden kommen bestimmt - reagieren Sie, ehe Sie eine Jagdeinladung in Verlegenheit bringt!