Jagdbeute im Grenzverkehr

Nicht wenige Jäger sind gern zu Gast im benachbarten Ausland. Und viele unserer Nachbarn kommen als Pächter oder Jagdgäste zu uns. Klar, dass mancher erfolgreiche Jäger seine Beute dann mitnehmen möchte. Damit das keine Probleme gibt, müssen auch rechtliche Unterschiede in den einzelnen EU-Ländern beachtet werden.


Die Seminare zur kundigen Person werden seit Jahren immer häufiger von Niederländern besucht. Sogar Anfragen, die Seminare in den Niederlanden durchzuführen, sind Gang und Gäbe und werden sogar von Teilnehmern besucht, die dort bereits eine 'Gekwalificeerd Persoon' sind! Aber weil sie regelmäßig bei uns jagen und sie auch nach 'unseren Spielregeln' alles 'richtig machen' wollen, interessieren sie sich eben auch für die rechtliche Lage in Deutschland - und sind über die Unterschiede nicht selten überrascht!

Wussten Sie zum Beispiel, dass ein Niederländer, der seinen daheim erlegten Schwarzkittel im eigenen Haushalt verzehren will, nicht zu einer behördlichen Untersuchung des Fleisches auf Trichinen verpflichtet ist? Anders als bei uns müsste er diese Untersuchung erst bei beabsichtigtem 'In-Verkehr-bringen' seiner Beute veranlassen, wohingegen in Deutschland bereits der Eigenverzehr der Jagdbeute, sofern sie zu den trichinenanfälligen Arten gehört, ohne Untersuchung unter Strafe steht. Was der niederländische Gesetzgeber durchaus zur Kenntnis genommen hat!

Nimmt ein holländischer Pächter oder Jagdgast den erlegten übernommenen Dachs oder Frischling also zum Eigenverzehr mit nach Hause, droht ihm massives Ungemach. Denn wegen der Kenntnis unserer Bestimmungen und den Vorschriften der europäischen Verordnungen verlangen die niederländischen Behörden den Nachweis, dass des Jägers Fracht bereits vor 'innergemeinschaftlichem Verbringen' in die Niederlande entsprechend unserer Gesetzeslage hier auf Trichinen untersucht worden ist. Das kann der heimkehrende Waidmann nur beweisen, wenn seine Beute ordungsgemäß markiert und deklariert ist - mit Wildmarkennummer und Wildursprungsschein!

Umgekehrt ist das nicht anders! So erhielt ich bereits Anfragen deutscher Jäger, was zu tun sei - nachdem sie aus dem benachbarten Ausland trichinenanfällige Beute mit nach Hause gebracht hatten und sie dann hier nach dem Prinzip 'Hauptwohnsitz des Erlegers' auf Trichinen untersuchen lassen wollten! Nachdem sie mangels WU-Schein aus dem Herkunftsland bei der versuchten Anmeldung ihrer Beute zur Untersuchung zurückgewiesen worden waren, konnte ich ihnen auch nicht weiterhelfen. Das konnte zuvor ja nicht einmal der Amtsveterinär!

Denn abgesehen von dem genehmigungslosen Verbringen eines möglichen Trägers immerhin der afrikanischen oder europäischen Schweinepest bringt man ihn mit einem solchen Vorgehen in einen schweren Konflikt. Einerseits will er in Kenntnis der Gesundheitsrisiken und daraus resultierender Vorschriften natürlich kein Stück Schweinefleisch unbeprobt auf dem Teller landen lassen. Andererseits muss er sich als Behördenvertreter natürlich strikt an Recht und Gesetz halten - und das verpflichtet, die Herkunft eines Wildkörpers vor jeder Untersuchung zu überprüfen! Wie aber soll der Amtstierarzt das machen, wenn statt eines Wildursprungsnachweises die bloße Behauptung aufgestellt wird, man habe es da oder dort erlegt?

Um es ganz klar zu sagen: Wer derart arglos handelt, setzt nicht nur die von uns erwartete wildhygienische Expertise schweren Zweifeln aus, sondern sorgt für schweren Ärger! Denn auch beim 'innergemeinschaftlichen Verbringen' jeder Jagdbeute gilt das Prinzip der Rückverfolgbarkeit. Hinzu kommt, dass  wegen der Unterschiede innerhalb der EU-Nationalstaaten die Brüsseler Vorschriften vielfach auf nationale Durchführungsbestimmungen verweisen. Im Zweifel muss man neben den EU-Verordnungen also auch die Regelungen sowohl im Herkunfts- als auch im Zielland beachten. Ist man ihrer unsicher, muss man sich vor solchem Handeln eben informieren - erst recht als kundige Person.